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Karate, was ist das eigentlich?
Karate bedeutet im wörtlichen Sinne "leere Hand" und ist eine waffenlose Kampfkunst, die durch Schlag-, Stoß-, Block-, und Tritt-Techniken gekennzeichnet ist. Es werden aber auch Feger, Würfe und Hebel verwendet. Das traditionelle Karate lehrt effektive Techniken zur Selbstverteidigung, wobei der Schulung von Körper und Geist eine hohe Bedeutung zukommt. Eine neue Komponente ist mittlerweile der Wettkampfsport geworden, an dem vor allem jugendliche Karatekas (= Übende des Karate) Gefallen finden.
Woher kommt Karate?
Karate ist nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, ursprünglich japanisch, aber neuzeitlich durch Japan am stärksten beeinflusst. Anfänglich hat sich die Kampfkunst aber aus den Wurzeln diverser traditioneller chinesischer Kampfkünste entwickelt, wie beispielsweise dem "Shaolin-Kungfu" (daher z. B. die Karate-Stilrichtung "Shorin-Ryu"). Eine Vereinheitlichung auf einen bestimmten Ursprung oder einzelnen Begründer ist jedoch schwierig. Karate in seiner heutigen Form entstammt, der etwas unterhalb Japans gelegenen Insel Okinawa, die im 14.-15. Jahrhundert als reger Handelsort wirkte und dort so die verschiedensten zivilisatorischen und kulturellen Eindrücke aufeinander prallten. Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Bedeutung und der zentralen Lage zwischen Japan und China, versuchten vor allem die Japaner mehrfach Okinawa zu besetzen. In Okinawa gab es bereits zuvor eine einheimische Kampfart, genannt "Te". Diese vermischte sich mit Teilen der chinesischen Kampfkünste und wurde zum "Okinawa-Te". Im Rahmen der japanischen Besatzungen führten die Machthaber Verbote zum Tragen von Waffen ein. Dadurch wurde "Okinawa-Te" unter der einheimischen Bevölkerung bekannter und gebräuchlich, um sich vor Übergriffen durch die Japaner zu schützen. Hierzu wurden auch Gegenstände der Feldarbeit zur Verteidigung eingesetzt. Da sich aber die Machthaber von der Ausübung der Kampfkunst durch das einfache Volk bedroht fühlten, wurde auch "Okinawa-Te" gänzlich verboten. Ab diesem Zeitpunkt konnte es nur noch im Geheimen geübt werden, da auf öffentliche Anwendung Strafe stand. "Okinawa-Te" wurde von nun an von Meister zu Schüler, vor allem in Form von festgelegten Bewegungsabläufen, der sogenannten "Kata", weitergegeben. Die Anwendung der Techniken tauchte erst wesentlich später wieder im Freikampf, dem "Kumite", auf. Eine elementare Trainingsform zur Kata heisst "Kihon", der sog. "Grundschule", wobei Basisbewegungen vorwärts, rückwärts und seitlich geübt werden.
Im Jahre 1875 wurde Okinawa offiziell zur japanischen Präfektur ernannt und vieles aus Japan übernommen. In dieser Zeit wurde aus dem Begriff "Okinawa-Te" das "Kara-Te". Im Rahmen dessen führte man Karate auch als körperliche Ertüchtigung an Schulen, Universitäten und beim Militär ein, wobei erstmals der Selbstverteidigungsaspekt der Kampfkunst in den Hintergrund trat. Ende des 18. Jahrhunderts begann Gichin Funakoshi (siehe Bild) Karate zu reformieren, weiter zu verbreiten und als Mittel zur Charakterbildung einzusetzen. Er begründete das "Shotokan"-Karate (nach seinem Pseudonym als Schriftsteller), was soviel heisst wie "Pinienrauschen" (Shoto). Daraus sollte sich später eine große internationale Organisation, die JKA (Japan Karate Association), entwickeln (auch heute noch einer der größten Karateverbände). Daneben entstanden, zum Leidwesen der olympischen Förderung des Karates, zahlreiche weitere Verbände und Stile. In den dreißiger Jahren wurde dann das Gürtelsystem und der Gi (Anzug) aus dem Judo ins Karate übernommen. Entscheidend für die weltweite Entwicklung des Karates war schließlich die Auswanderung vieler Menschen von Okinawa nach Hawaii um das Jahr 1900, welches nach Annektion US-amerikanisches Staatsgebiet war.
So gelangte Karate nach Amerika, von wo aus es sich bis nach Europa weiter verbreitete, bis es dort in den siebziger und achtziger Jahren zu einem regelrechten "Kampfsport-Boom" mit zahlreichen Dojo-Eröffnungen (Dojo = traditioneller Trainingsraum) und Kampfsportfilmen kam. Der erste deutsche Karateka, ursprünglich ein Judoka, war Jürgen Seydel. Er kam erstmals auf einem Judolehrgang in Frankreich mit der damals in Deutschland noch unbekannten Kampfart in Berührung. Aus seiner Begeisterung für diese Kampfkunst heraus entstand zunächst eine Unterorganisation für Karate innerhalb des Judos, bis aus dieser 1961 der "Deutsche Karate Bund" hervorging. Seydel hatte zuvor den ersten Karateverein Deutschlands gegründet, den Budokan Bad Homburg. Danach war die Organisation des Karates zunächst in diverse Verbände zerteilt, bis schließlich der DKV (Deutscher Karate Verband) 1986 die meisten unter einem Dach vereinte.
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